Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis: Was Sie wissen sollten
Welche Nebenwirkungen kann medizinisches Cannabis haben? Ein ehrlicher Überblick über mögliche Begleiterscheinungen und wie man damit umgeht.

Wie jedes Medikament kann auch Cannabis Nebenwirkungen verursachen. Die meisten sind mild, dosisabhängig und klingen bei Dosisanpassung wieder ab. Ein offener Umgang mit möglichen Begleiterscheinungen gehört zu einer seriösen Cannabis-Therapie.
Häufige Nebenwirkungen
Müdigkeit und Schläfrigkeit
Die häufigste Begleiterscheinung, besonders zu Beginn der Therapie. Viele Patienten empfinden dies bei Schlafstörungen sogar als gewünschten Effekt. Tipp: Anfangs die Dosis abends einnehmen.
Mundtrockenheit
Cannabis kann die Speichelproduktion vorübergehend reduzieren. Ausreichend Wasser trinken und zuckerfreie Bonbons können helfen.
Schwindel
Insbesondere bei zu schneller Dosissteigerung oder beim Aufstehen. Langsam aufstehen und die Dosis schrittweise steigern.
Appetitveränderungen
THC-haltige Präparate können den Appetit steigern. Bei Patienten mit Appetitlosigkeit ist dies erwünscht, bei anderen sollte man darauf achten.
Konzentrationsschwierigkeiten
Vor allem bei höheren THC-Dosen möglich. In der Regel lässt dieser Effekt nach einigen Tagen der regelmässigen Einnahme nach (Gewöhnungseffekt).
Seltene Nebenwirkungen
- Angst oder Unruhe — vor allem bei THC-lastigen Präparaten und hoher Dosis
- Herzrasen — leichte Erhöhung der Herzfrequenz ist möglich
- Übelkeit — paradoxerweise bei sehr hohen Dosen
- Stimmungsschwankungen — selten, aber möglich bei Erstanwendung
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Cannabis kann mit bestimmten Medikamenten interagieren:
| Medikament | Mögliche Wechselwirkung |
|---|---|
| Blutverdünner (z. B. Marcoumar) | Verstärkte Wirkung möglich |
| Benzodiazepine | Gegenseitige Wirkungsverstärkung |
| Antidepressiva (SSRI) | Verstärkte Wirkung möglich (CYP-Interaktion) |
| Opioide | Potenziell dosisreduzierend — ärztliche Begleitung nötig |
Wichtig: Teilen Sie Ihrem Arzt immer alle Medikamente mit, die Sie einnehmen.
Wer sollte kein Cannabis verwenden?
Cannabis ist nicht für jeden geeignet. Kontraindikationen umfassen:
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Schwere psychiatrische Erkrankungen (akute Psychose, Schizophrenie)
- Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Kinder und Jugendliche (Ausnahmen bei bestimmten Epilepsie-Formen)
Nebenwirkungen minimieren
- Start low, go slow: Langsam dosieren
- Tagebuch führen: Wirkungen und Nebenwirkungen dokumentieren
- Regelmässige Kontrollen: Ärztliche Nachsorge wahrnehmen
- CBD-Anteil beachten: Höherer CBD-Anteil kann THC-Nebenwirkungen abmildern
Fazit
Medizinisches Cannabis zeigt in Studien ein insgesamt mildes und dosisabhängiges Nebenwirkungsprofil. Entscheidend ist die richtige Dosierung und ärztliche Begleitung.
Quellen
- Whiting PF et al. (2015): Cannabinoids for Medical Use: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA, 313(24), 2456–73. DOI: 10.1001/jama.2015.6358
- MacCallum CA, Russo EB (2018): Practical considerations in medical cannabis administration and dosing. European Journal of Internal Medicine, 49, 12–19. DOI: 10.1016/j.ejim.2018.01.004
- Doohan PT et al. (2021): Cannabinoid Interactions with Cytochrome P450 Drug Metabolism: a Full-Spectrum Characterization. The AAPS Journal, 23(4), 91. DOI: 10.1208/s12248-021-00616-7
- Sarris J et al. (2020): Medicinal cannabis for psychiatric disorders: a clinically-focused systematic review. BMC Psychiatry, 20(1), 24. DOI: 10.1186/s12888-019-2409-8
- Gobbi G et al. (2019): Association of Cannabis Use in Adolescence and Risk of Depression, Anxiety, and Suicidality in Young Adulthood. JAMA Psychiatry, 76(4), 426–434. DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2018.4500
Dieser Artikel dient ausschliesslich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Cannabis-Arzneimittel sind in der Schweiz verschreibungspflichtig.