Cannabis für Frauen: Hilfe bei Menstruationsbeschwerden und mehr
Von Regelschmerzen bis PMS — warum immer mehr Frauen auf medizinisches Cannabis setzen und was die Forschung dazu sagt.

Menstruationsbeschwerden gehören für viele Frauen zum Alltag — und werden trotzdem oft bagatellisiert. Medizinisches Cannabis rückt zunehmend als Therapieoption in den Fokus.
Häufige Beschwerden
Gynäkologische Schmerzen und Symptome, bei denen Cannabis untersucht wird:
- Dysmenorrhoe (starke Regelschmerzen) — betrifft 50–90 % der jungen Frauen
- Prämenstruelles Syndrom (PMS) — Stimmungsschwankungen, Blähungen, Brustspannen
- Endometriose — chronische Schmerzen durch versprengte Gebärmutterschleimhaut
- Vulvodynie — chronische Schmerzen im Vulvabereich
Historischer Kontext
Die Anwendung von Cannabis bei Frauenbeschwerden hat eine lange Geschichte:
- Queen Victoria soll Cannabis-Tinktur gegen Menstruationskrämpfe verwendet haben — eine weit verbreitete, aber historisch nicht belegte Anekdote, die oft ihrem Leibarzt Sir J. Russell Reynolds zugeschrieben wird
- In der traditionellen chinesischen Medizin wurde Cannabis seit Jahrhunderten bei gynäkologischen Beschwerden eingesetzt
- Erst die Prohibition im 20. Jahrhundert beendete diese Tradition
Was sagt die aktuelle Forschung?
Regelschmerzen (Dysmenorrhoe)
- THC wirkt in Laborstudien über CB1-Rezeptoren im Uterus spasmolytisch (krampflösend) und analgetisch (schmerzlindernd)
- CBD wirkt entzündungshemmend — relevant, da Prostaglandine (Entzündungsmediatoren) Hauptauslöser der Krämpfe sind
- Eine australische Umfrage (Armour et al., 2019) zeigte, dass Cannabis von Endometriose-Patientinnen als wirksamste Selbstbehandlung bewertet wurde
PMS und PMDS
- Das Endocannabinoid-System beeinflusst Stimmung, Appetit und Schmerzempfinden — alles Bereiche, die beim PMS betroffen sind
- Anandamid-Spiegel schwanken im Menstruationszyklus — mögliche Erklärung für zyklusabhängige Beschwerden
- CBD kann über Serotonin-Rezeptoren stimmungsstabilisierend wirken
Endometriose
- Eine Studie (Bouaziz et al., 2017) zeigte, dass das Endocannabinoid-System eine relevante Rolle bei Endometriose-Schmerzen spielen könnte
- Cannabis könnte hier auf mehreren Ebenen wirken: Schmerz, Entzündung und möglicherweise sogar Gewebewachstum
- Die Forschung ist noch in einem frühen Stadium — erste klinische Studien laufen
Darreichungsformen für Frauen
| Form | Anwendung | Vorteile |
|---|---|---|
| Öl/Tropfen | Oral, sublingual | Einfache Dosierung, diskret |
| Topische Cremes | Auf die Haut | Lokale Schmerzlinderung |
| Inhalation | Vaporizer | Schneller Wirkeintritt bei akuten Krämpfen |
Besondere Überlegungen
Schwangerschaft und Stillzeit
- Cannabis ist während Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert
- THC passiert die Plazentaschranke und gelangt in die Muttermilch
- Mögliche Risiken für die kindliche Entwicklung
Hormonelle Wechselwirkungen
- THC kann den Menstruationszyklus beeinflussen — vereinzelt berichten Frauen von Zyklusveränderungen
- Bei hormoneller Verhütung sind keine klinisch relevanten Wechselwirkungen bekannt, aber die Datenlage ist dünn
Fertilität
- Hoher THC-Konsum kann die Ovulation vorübergehend beeinflussen
- Bei therapeutischen Dosen und kurzfristiger Anwendung ist die Datenlage ungenügend für eine abschliessende Beurteilung
- Besprechen Sie Kinderwunsch mit Ihrem behandelnden Arzt
Fazit
Cannabis bietet vielversprechende Ansätze bei gynäkologischen Beschwerden — insbesondere bei Regelschmerzen und Endometriose. Die Forschung bestätigt zunehmend, was Frauen seit Jahrhunderten wissen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Cannabis für Ihre Situation in Frage kommt.
Quellen
- Armour M et al. (2019): Self-management strategies amongst Australian women with endometriosis. BMC Complementary and Alternative Medicine, 19, 17. DOI: 10.1186/s12906-019-2431-x
- Bouaziz J et al. (2017): The Clinical Significance of Endocannabinoids in Endometriosis Pain Management. Cannabis and Cannabinoid Research, 2(1), 72–80. DOI: 10.1089/can.2016.0035
- Russo EB (2011): Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. British Journal of Pharmacology, 163(7), 1344–1364. DOI: 10.1111/j.1476-5381.2011.01238.x
Dieser Artikel dient ausschliesslich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Cannabis-Arzneimittel sind in der Schweiz verschreibungspflichtig.